Glas Pulver Dynamit

Seit jeher war Geesthacht ein reines Bauerndorf gewesen in dem nur Berufszweige wie Fuhrmann oder Händler, manchmal auch Kaufmann für andere Verdienstmöglichkeiten sorgten. Durch die Anpflanzung und Verwertung von Kopfweiden am Elbufer entstand im Verlauf des 18 Jahrhunderts ein neuer Wirtschaftszweig. Die 1736 einsetzende gezielte Weidenpflanzung im großen Stil diente in erster Linie der Uferbefestigung und -sicherung. Weil in der Folge der Rohstoff Weide reichlich vorhanden war, entwickelten sich neue Berufe wie zum Beispiel Bandreißer, Rutenschweißer, Korb- und Kistenmacher. Da die Arbeiten auch in Heimarbeit geleistet werden konnten, boten sie gute wirtschaftliche Möglichkeiten und Nebenverdienstmöglichkeiten für ganze Familien. So waren beispielsweise von den 1840 in Geesthacht vorhandenen 81 Handwerkern 36 Bandreisser. Geesthacht erhielt zeitweilig den Beinamen „Bandreisserdorf“. Die Korbmacher gehörten später sogar zur Oberschicht.

Der erste Industriebetrieb wurde 1850 im bis dahin eher handwerklich geprägten Geesthacht mit dem Bau der Glasfabrik Friedrich Gottlieb Brauer in der Nähe des Katzbergs gegründet. Damit setzte auch der Zuzug von Industriearbeitern ein, der schon damals nicht problemlos verlief. Geesthacht entwickelte sich zum Industriestandort.
Die Entwicklung wurde stark durch die guten Transportmöglichkeiten auf der Elbe und durch die Nähe zum Hamburger Hafen, dem größten Import und Exporthafen Europas, gefördert. (Anlieferung der Rohstoffe, wie z.B. Kohle und Abtransport der Produkte z.B. Korbflaschen für den Export.)
Die Rohstoffe für die Glasproduktion, Sand und Mergel, waren in Geesthacht vorhanden. Die Bedeutung der Glasproduktion unterstreicht auch die Herstellung von 122 000kg Glas im Jahre 1855.

Die Fabrik wechselte den Besitzer, wurde weiter ausgebaut und 1899 vom Korbmacher Henning Ahrens erstanden. 1910 beschäftigte die Fabrik 28 Glasbläser und 280 Korbmacher, zum größten Teil Frauen.
Die Korbmacherei, die für die Beflechtung der Ballonflaschen (Demijohns) sorgte, die mit Wein gefüllt vorwiegend nach Mittel- und Südamerika exportiert wurden, war für die Wirtschaft Geesthachts von grundlegender Bedeutung.
Stäube, hohe Temperaturen und die Belastung der Lunge beim Glasblasen wirkten sich auf unterschiedliche Weise negativ auf die Gesundheit der Glasbläser aus. Demzufolge hatten sie nur eine durchschnittliche Lebenserwartung von 35 Jahren.
Die Industrialisierung, die mit dem Bau der Sprengstofffabriken in Düneberg und Krümmel in noch stärkerem Maße einsetzte, begann die Lebensweise der Menschen in Geesthacht immer stärker zu bestimmen.
Der Wandel von der Handwerker- zum Industriestandort ist in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fest mit dem Bau und der Vergrößerung der Pulverfabrik verbunden.
Das von Alfred Nobel 1863 verbesserte „Sprengöl“, Nitroglycerin, war dem bis dahin bekannten Schießpulver weit überlegen, aber ungleich gefährlicher in der Handhabung. Nach anfänglicher Produktion in Skandinavien gründete Nobel 1865 seine Fabrik auf dem Krümmel. Das Gelände bot den bereits erwähnten Vorteil der Transportwege und der Nähe zu Hamburg. Außerdem waren die hohen Dünen als natürliche Schutzwälle bei der Produktion des überaus explosiven Stoffes sehr nützlich.
1876 wurde die Düneberger Pulverfabrik vom süddeutschen Pulverfabrikanten Max von Duttenhofer als Pulverfabrik Köln-Rottweil auf einem etwa 20 ha großen Gelände im Bereich des heutigen Industrie - und Gewerbegebietes Düneberg gegründet, einem Gelände, das bis dahin zum Besitz des Fürsten von Bismarck gehörte. Für dieses Gelände sprachen die gleichen Vorteile die schon beim Standort Krümmel erwähnt wurden. Ein zusätzlicher Anreiz war die Möglichkeit eng mit der wachsenden Marine zusammenzuarbeiten. Sehr bald entwickelte sich zudem eine enge Zusammenarbeit mit der Dynamitfabrik in Krümmel, die den Pulverrohstoff, nitrierte Cellulose nach Düneberg lieferte.

Hier in der „Pulverkammer Deutschlands“ standen die nötigen technischen Geräte zum Walzen und Trocknen des neuentwickelten rauchfreien „Pulvers“ zur Verfügung. Es bestand ebenfalls die Möglichkeit, das Sprengmaterial durch Pressung und Zuschnitt auf die jeweiligen Kaliber abzustimmen und ballistische Prüfungen vorzunehmen.

Zug um Zug wurde der Ausbau der Anlagen vorangetrieben. Um 1900 bestand die Gesamtanlage aus 100 Gebäuden, einer Schmalspurbahn und einer Verladebrücke am Hafen. 1915 setzte nach dem Beginn des ersten Weltkrieges eine rasche Erweiterung der Anlage ein.
1918 gab es auf dem Betriebsgelände Düneberg 475 Gebäude und knapp 20000 Beschäftigte.
Neben dem Transport auf der Elbe existierte ein zweigleisiges Bahnnetz auf dem bis zu 17 Bahnpaare Dienst taten. Die Dampfloks dienten auch dem Transport der Arbeiter und als Fahrgelegenheit für die Hamburger zur beliebten Bademöglichkeit in der Elbe bei Geesthacht. Von den zwei Bahngleisen ist nur eines übrig geblieben, das durch die Dampflok Karoline und sporadisch für das Kernkraftwerk Krümmel genutzt wird. Die historische Dampflok Karoline, die jetzt nur noch an Fahrtwochenenden als Museumsbahn die Gäste erfreut, ist erst später angeschafft worden.

Als nach dem ersten Weltkrieg die Pulverproduktion mit dem Vertrag von Versailles unterbunden wurde, baute man viele Gebäude ab, ließ sie leer stehen oder nutzte sie als zivile Produktionsstätten, so z.B. ab 1920 als Produktionsstätte für Linoleum, die 1932 wieder stillgelegt wurde.
Als 1935 zur Kriegsvorbereitung der nationalsozialistischen Regierung wieder Pulver produziert wurde, wurde die Anlage von der Dynamit Nobel AG übernommen. Das Gelände wurde nach Westen erweitert und neue Gebäude wurden errichtet.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurden die Gebäude gesprengt, abgebaut oder zivil auf andere Weise genutzt. In dem Betriebsteil Elbe entstand das Industrie- und Gewerbegebiet Düneberg. In diesem Bereich von Geesthacht sind noch etliche Gebäude aus der Zeit erhalten.