Stadtgeschichte

Geesthacht wird noch heute landschaftlich durch den Gegensatz von hoher Geest und Elbeurstromtal bestimmt. Die Architekten dieser Oberflächengestaltung waren die beiden letzten Eiszeiten. Die Saalevereisung vor ca. 150.000 schob sich weit über den Geesthachter Raum hinaus, während die Weichselvereisung vor ca. 30.000 Jahren nicht mehr bis an die Elbe vordrang. Sie machte ca. 20 km vor dem Stadtgebiet halt. Das Eis hatte eine Dicke von ca. 300 m. Die Schmelzwasser dieser Vereisung formten das Elbeurstromtal (damals ca. 10 km breit). Die ganze Region war von einer arktischen Tundra bedeckt. Erst langsam kehrten nach der Erwärmung die Bäume zurück. Vor 12 000 Jahren die Birken, vor 10 000 die Kiefern. Vor 6 000 die Eichen und schließlich vor 5 000 die Buchen. Den Pflanzen folgten die Tiere und die Menschen den Tieren.

Die ersten Menschen waren Sammler und Jäger. Um sich zu ernähren, benötigte eine Familie eine Fläche der Größe des heutigen Stadtgebietes. Die Besiedelung beschränkte sich zunächst auf die Nähe der Wasserläufe. Durch die landwirtschaftlichen Aktivitäten, die Menschen wurden Ackerbauern, gelang die Umwandlung in eine Kulturlandschaft (Jüngere Steinzeit). Etwa 1.600 v. Chr. Fand der Übergang in die Bronzezeit statt. Eine Fülle von Funden und die Anzahl der Gräber beweisen, dass es in der Region Geesthacht eine zahlenmäßig relativ hohe Bevölkerung gegeben haben muss. Es existierten Nah- und Fernhandelsverbindungen durch Schifffahrt- und „Straßennetze“, so etwa die Verbindung Lüneburg-Artlenburg-Lübeck (Die Alte Salzstrasse).
In der Epoche der Eisenzeit bis ca. 500 n. Chr. gab es eine Klimaverschlechterung mit sehr kalten Wintern, was eine Art Völkerwanderung von Nord nach Süd auslöste. Ab dem 6. Jahrhundert erfolgte eine Aufsiedelung. Die siedlungsgeografische Grenze zwischen Slawen und Sachsen legte Karl der Große 810 fest. Sie wurde als Limes Saxoniae bekannt. Vielleicht könnte knapp 100 Jahre nach diesem Ereignis die Ortsgründung Geesthachts erfolgt sein.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgt 1216. Es gibt aber keinen Hinweis auf das Gründungsdatum von „Hacht“ (ab 1402 Geesthacht).
Hachede ist eine wichtige Siedlung an der Elbe. Als Kirchspiel, Zollstelle und Stapelplatz strahlte der Ort überregional aus. Es war eine Zeit der Auseinandersetzung zwischen Dänen und Deutschen um die Vorherrschaft in Nordelbien. 1227 wurde der dänische König geschlagen. Den Handel, der durch diese Kriege sehr gelitten hatte, wollte man mit Privilegien fördern. Das geht aus der Urkunde von 1216 hervor.
Die Bedeutung Hachedes ergab sich aus der geografischen Lage. Im Norden lag der Sachsenwald mit dem wichtigen Handelsgut Holz, im Süden Lüneburg mit dem wertvollen Salz. Laut Urkunden aus dem 14. Jahrhundert verlief eine Handelsstrasse zwischen Lüneburg-Mölln-Lübeck über Hachede. Man schätzt die damalige Einwohnerzahl von Hachede auf etwa 500.
Es besaß 2 Kirchen, eine nördlich und eine südlich der Elbe, wobei die südliche die ältere war. Die nördliche Kirche gehörte zum Bistum Ratzeburg, die südliche zum Bistum Verden. Im 13. Jahrhundert wurde die Petri-Kirche (1684 wurde sie abgerissen) auf einer Anhöhe neu erbaut, weil die erste Kirche bei Hochwasser nicht zugänglich war. Die südliche Kirche bestand bis 1538. Nach deren Einsturz bauten die Marsch-Hachter 1613 das heute noch bestehende Gotteshaus.

Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich Geesthacht positiv. Dann verlagerte sich der Elbstrom. 1348 wurde eine neue Fährverbindung mit Zollstelle in Zollenspieker angelegt. Damit wurden die Wege nach Hamburg kürzer und die alte Furt bei Artlenburg verlor ihre Vormachtsstellung. 1398 wurde der Stecknitz-Kanal zwischen Lüneburg-Lauenburg-Mölln und Lübeck eröffnet. Durch diese Verkehrsentwicklung wurde Geesthacht abgehängt und von wichtigen Wirtschaftsadern abgeschnitten. Als Folge der Pest, die 1350 in Geesthacht wütete, starb die Hälfte der Einwohner. Geesthacht brauchte 350 Jahre, um sich zu erholen. Hinzu kam der Krieg zwischen den Herzögen von Lauenburg und Lüneburg. Im Perleberger Frieden von 1420 verlor das Herzogtum Lauenburg Bergedorf, die Vierlande, Geesthacht und den halben Sachsenwald and Lübeck und Hamburg. Bis 1937 blieb Geesthacht bei Hamburg.

Schwer geprüft wurde Geesthacht auch während des 30jährigen Krieges: 1627 durch Tillys Söldnerheer, 1631 durch die durchziehenden Dänen und die Schweden, 1637 durch die Kaiserlichen und 1639 bis 1643 durch die schwedische Einquartierung.
Mitte des 16. Jahrhunderts kam die Reformation nach Geesthacht, obwohl Hamburg bereits 1529 reformiert worden war. Der Bau der St. Salvatoris-Kirche 1685 stellt ein sichtbares Zeichen für den Neubeginn am Ende des 17. Jahrhunderts dar. Auch in hier spielte die Elbe eine wesentliche Rolle. Wirksame Schutzwerke zur Sicherung des Ufers gegen den Elbstrom waren nicht vorhanden. Die Erosion des Ufers nahm bedrohliche Formen an. Vor allem die 400 Jahre alte Petri-Kirche war gefährdet. Im Jahre 1676 verlief die Elbe bereits unterhalb der Kirche. Der Bau der St. Salvatoris-Kirche markiert wie das Krügersche Haus von1676 den Aufschwung nach dem Krieg.
Die Napoleonischen Kriege und Besatzung stellten ebenfalls eine große Belastung für Geesthacht dar. Erst um 1850 brachten 3 Ereignisse den Umschwung. 1830-1843 die Verkoppelung der Feldmark (der mittelalterliche Landbau wurde beseitigt und privates Eigentum an Grund und Boden eingeführt), damit wurde der Grundstein für die kommunale Selbstverwaltung in Geesthacht gelegt. 1850 erfolgt der Bau der Glasfabrik. 1865 kauft Nobel Krümmel, um eine Pulverfabrik zu bauen.

1905 findet die Gründung der Bergedorf-Geesthacht-Eisenbahn AG statt. Bereits 1842 hatte es Pläne zu einem Anschluss Geesthachts an die Strecke Hamburg-Berlin gegeben. Proteste der um ihre Verdienste fürchtenden Fuhrleute und Schiffer führten dazu, dass die Trasse über Schwarzenbek verlief. Geesthacht hatte sich von einem Bauerndorf zu einem Arbeiterdorf entwickelt. Deshalb traf es die Bevölkerung besonders hart, als nach dem Ende des 1. Weltkrieges die Pulverfabriken demontiert wurden. Durch die darauffolgende sehr hohe Arbeitslosigkeit entwickelte sich Geesthacht zur Hochburg der Kommunisten („Klein-Moskau“). Die Situation änderte sich schlagartig mit der Machtübernahme der Nazis. 1943 nahm Geesthacht viele ausgebombte Hamburger auf, die hier Arbeit fanden, da die Pulverfabriken auf Hochtouren liefen. Am Ende des 2. Weltkrieges war die Situation die gleiche wie 1918: Demontage der Fabriken, große Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot durch den Zustrom der Ostvertriebenen. Erst 1956 ändert sich die Situation zum Positiven durch den Bau der Schleuse, des Pumpspeicherbeckens und der GKSS. Geesthacht hatte endlich den Anschluss an den Aufschwung gefunden.



Literatur: Geesthacht, eine Stadtgeschichte, Viebranzverlag