Die Mühlentechnik

Die Mühle ist auf fünf Etagen dicht gefüllt mit technischen Geräten, die durch ein, auf den ersten Blick verwirrendes, Geflecht aus Rohren, Schächten, Antriebswellen und Keilriemen verbunden sind.

Die Vielzahl der Rohrverbindungen ist nötig, um das gemahlene Getreide solange zwischen den Mahlwerken transportieren zu können, bis der gewünschte Mahlgrat erreicht ist und das Endprodukt als z.B. Mehl oder Schrot wieder im Erdgeschoss angelangt ist (Foto: Silo mit Sack), wo es an den Trichtersilos in Säcke verpackt wird.
Das Erdgeschoss stellt den Hauptarbeitsplatz des Müllers dar. Hier wird das Getreide angeliefert. Es wird in Säcken von 50 kg oder 25 kg mit dem festinstallierten Sackaufzug durch Luken bis zum jeweils vorgesehenen Boden hochgezogen. Das Getreide kann auch mit Hilfe des Elevators, einer Transportschnecke, nach oben transportiert werden. Nach dem Mahlvorgang in einem der 4 Mahlgänge fällt das bis zum gewünschten Feinheitsgrad gemahlene Getreide aufgrund der Schwerkraft durch entsprechende Rohre zum Absackstutzen im Erdgeschoss. Dort wird es in Säcken aufgefangen, gewogen und zum Verkauf bereitgestellt.
Die Bardowicker Mühle enthält 2 Mahlgänge, die durch Wind betrieben werden. Das untere Mahlwerk befindet sich im ersten Stock, dem Stein- oder Mahlboden. Dieser Mahlgang besteht aus zwei Mühlsteinen (Kunststeinen mit Schmirgel und Korund), dem unteren Bodenstein (Gewicht 1t) und dem sich darüber drehenden Läuferstein (Gewicht 1,5 t).
Nachdem das Korn von oben in den Schütttrichter gegeben wurde, fällt es über einen sogenannten Rüttelschuh in die Bohrung im Zentrum des Läufersteins, das Steinauge. Dort wird es zwischen den Steinen zerrieben. Der Abstand zwischen den Mahlsteinen lässt sich durch heben des Läufers mit einem Handrad regulieren. Der Abstand bestimmt die Körnung des Produkts.
Auf der ersten Etage befinden sich ebenfalls zwei elektrisch angetriebene Walzenstühle. In ihnen wird das Getreide zwischen zwei Metallwalzen mit unterschiedlicher Drehzahl in mehreren Mahlgängen bis zur gewünschten Feinheit vermahlen. Nach jedem Mahlgang gelangt das Mahlgut über das Rohrsystem pneumatisch in die zwei Etagen höher liegende Siebmaschine, den Plansichter. Von dort kommt das fertige Produkt zur Mehlmisch- maschine, während das gröbere Mahlgut über das Rohrsystem erneut den Walzenmühlen zugeführt wird.
Der zweite Mahlgang im zweiten Stock, auf dem Kleieboden, dient zur Herstellung von Mehl und Backschrot. Er ist mit sehr harten Natursteinen bestückt und verfügt einen Fliehkraftregulator, der bei Drehzahl- schwankungen für gleich bleibende Mahlqualität sorgt. Hier sieht man die Mahlspindel für den ersten Malgang, die aus Sicherheitsgründen mit Holz ummantelt ist.
Die schweren Mahlsteine müssen alle zwei Jahre mit speziellen Hämmern in Knochenarbeit von Hand nachgeschärft werden, eine Arbeit die nach Meinung der Müller vom Teufel erfunden wurde. Die schweren Greifarme des Steinkranes, des Galgens, vermitteln einen guten Eindruck der schweren Arbeit. Die Form der Greifarme erlaubt es, die Mühlsteine im Galgen hängend zu drehen und umgekehrt abzusetzen. Die Luftfurchen, die man dann im Stein entdecken kann, dienen zur Kühlung des Mahlgutes und zu dessen Transport zur Außenseite des Mühlsteins.
In der dritten Etage auf dem Sichterboden befinden sich die beiden Siebsysteme, die Sichter. Der Sechskantsichter sortiert das Futtergetreide nach Körnungsgrößen.
Seit 1939 teilt der Plansichter, der um erschütterungsfrei zu arbeiten freischwingend aufgehängt ist, das im Walzenstuhl gemahlene Getreide in fünf Fraktionen (Schrot, grober Gries, feiner Gries, Dunst und Mehl). (Foto: die 5 Fraktionen)
Der oben unter der Kappe liegende Kappenboden ist mit der Antriebstechnik gefüllt. Hier befinden sich die verschiedenen großen Zahnräder mit den speziell angefertigten Holzzähnen, die für die Umlenkung der Antriebskraft der Flügelwelle auf die Mahlspindeln der Mahlwerke sorgen, sowie der 20 kW-Generator. Die Armdicken Spindeln durchlaufen die Mühle von oben nach unten.

Zum Bewegen der Mahlwerke mit Hilfe der Flügel benötigt man Windstärken über 3. Ab Windstärke 8 müssen die Flügel angehalten und aus Sicherheitsgründen mit einer Sturmsicherung festgelegt werden. So besteht im Schnitt nur an 100 bis 150 Tagen im Jahr die Gelegenheit mit Windkraft zu mahlen.
Bei einer täglichen Auslastung von 12 Stunden werden jährlich etwa 500 t Getreide verschiedener Sorten gemahlen. Davon werden mit Windkraft 150 t Getreide vermahlen.
Die Höhe der Mühle bis zum First beträgt etwa 16 m.
Der Ten-Have-Flügel hat einen Durchmesser von etwa 23,5 m. Er liefert bei einer Windstärke von 6-7 circa 40 PS, wobei die Geschwindigkeit der Flügelspitzen ungefähr 70-80 km/h beträgt.