Abflug

13 von 72 Störchen hinter Oldershausen

am 21.8.2011

Im August, wenn die Jungen ihr Trainingsprogramm durch längere Flugphasen vorangetrieben haben, packt die Störche langsam das Reisefieber. Die Jungvögel verlassen als erste das Brutgebiet. Ihre Flüge werden länger, sie sammeln sich in immer größeren Gruppen, bis sie dann eines Tages in Richtung ihrer Winterquartiere verschwunden sind. Der Zuginstinkt ist ihnen angeboren. Erst 3 oder 4 Jahre später wird maximal jeder Zehnte von ihnen zum Brüten zurückkehren. Ihre Sterblichkeitsrate ist also immens.
Spätestens im September folgen ihnen die Altstörche auf der teilweise sehr langen, strapaziösen und gefährlichen Reise, die nötig wird, weil das Futterangebot im Winter zu knapp ist. Der Schnee und die niedrigen Temperaturen spielen für die Störche nur eine untergeordnete Rolle.
Für die Mehrzahl der Störche führt die Reise über 10.000 km bis nach Südafrika. Da über dem Meer die für die Störche wichtige Thermik fehlt, können sie nicht über das Mittelmeer in Richtung Süden fliegen, sondern müssen über Gibraltar oder den Bosporus ausweichen. Daher unterscheidet man die Westzieher von den Ostziehern.
Die Störche aus Westeuropa, Spanien, Frankreich, Portugal, Schweiz und Süddeutschland nehmen die westliche Route. Sie ziehen über Spanien, Gibraltar und die Sahara und verbringen den Winter zwischen Senegal und dem Tschad. Immerhin nehmen etwa 150.000 Störche, nämlich die, die westlich der sogenannten Zugscheide brüten, diesen Weg. Die gedachte Trennlinie zieht sich etwa von Holland über den Harz bis zu den Alpen hin.
Mehr als 500.000 Störche, die Mehrzahl aller Störche, nehmen den Weg über den Bosporus, Israel und die Straße von Suez und erreichen nach einer Rast im Sudan ihre Winterquartiere in Ost- und Südafrika.