Handorf Schwabenstüble

Neststandort Handorf, Schwabenstüble

ausgeflogene Jungstörche

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  1 (+1 flugunfähiger Jungstorch) 4 1 3 2        

2013 Störche Handorf Schwabenstüble I

2013 Störche Handorf Schwabenstüble II

2012 Störche Handorf Schwabenstüble

2012 Jungstorch mit Kippflügel

Jungstorch mit Kippflügel und verkürztem Oberarm

Bericht von Herrn Hubert Horn, per Email an uns:
Zunächst zum Handorfer Jungstorch mit dem Flügelschaden: Am 8.8. rief
uns Frau Luhmann, auf deren Grundstück der Mast steht, an und berichtete
uns, dass der eine Jungstorch schon seit ca. 10 Tagen flügge wäre, der
zweite aber immer noch nicht. Da er aber einen deformierten Flügel
hätte, befürchtete sie, dass er vielleicht niemals fliegen könnte.

Wir haben uns den Jungstorch am nächsten Tag angesehen und waren der
Meinung, dass er mit diesem Flügel weder fliegen, noch sanft landen
könnte, falls er doch irgendwann einen Flugversuch starten würde.
Deshalb beabsichtigten wir, einen Hubwagen zu bestellen, und hofften,
dass, wenn wir uns mit dem Hubwagenkorb von der Wiesenseite aus dem Nest
nähern, er dann entweder noch in Akinese fällt oder zur Heckenseite
abspringt und dort ohne größere Verletzungen landet.

Zum Abschluss wollten wir zur Dokumentation noch Fotos von dem
behinderten Storch machen. Um den Storch in eine Position zu bringen, in
der der Flügelschaden gut zu erkennen ist, ging unser Begleiter langsam
auf den Mast zu. Als er sich diesem bis auf 5-10m genähert hatte, sprang
der Jungstorch plötzlich ab. Er stürzte nahezu senkrecht herunter und
blieb flach auf der Wiese liegen (die Augen waren offen). Nach einer
knappen Minute rappelte er sich auf und lief weg. Wir waren froh, dass
er sich bei dem Sturz anscheinend keine schwerwiegenden Brüche oder
Verrenkungen zugezogen hatte. Da er nur gehen, bzw. laufen konnte,
gelang es uns nach einiger Zeit, ihn mit 3 Mann einzukesseln und zu
greifen. Anschließend fuhren wir ihn gleich zur Pflegestation in
Leiferde.

Die Pflegestation brachte ihn noch am gleichen Tag zur Tierärztlichen
Hochschule Hannover. Dort wurde er auch schnell untersucht, behandelt
und kam bereits am nächsten Vormittag zurück nach Leiferde.

Folgendes wurde festgestellt: Der Jungstorch hat einen sogen.
Kippflügel. Bei diesem ist die Handschwinge im Handgelenk verdreht,
quasi ausgekugelt. Wenn sie frühzeitig für ca 3 Wochen mit einer Bandage
in der richtigen Position gehalten wird, kann der Flügel wieder
funktionsfähig werden. Frau Rogoschik, die Leiterin der Pflegestation,
hat in den gut 10 Jahren in Leiferde bei Störchen und anderen Großvögeln
5-10 Kippflügel erlebt. Als Ursachen kommen in Frage Vererbung,
zurückliegende Verrenkungen, aber auch einseitige Ernährung.

Die wahrscheinlich zu späte Behandlung des Handorfer Jungstorches ändert
aber an seinen Zukunftsaussichten wenig, da bei ihm zusätzlich der
Oberarm verkürzt ist. Laut Auskunft der TiHo Hannover kann er mit diesem
Handicap einen Afrika-Zug nicht überstehen. Der Jungstorch aus
Brietlingen mit der gleichen Behinderung, den wir letztes Jahr nach
Leiferde gebracht haben, ist noch dort. Ihm wurden die Flügel gestutzt,
um einen Wegzug zu verhindern.

Ein verkürzter Oberarm ist genetisch bedingt und soll deutlich seltener
vorkommen als der Kippflügel. Man erkennt ihn am besten, wenn man den
Storch mit angelegten Flügeln von oben sieht, z.B. beim Beringen oder
beim Verpacken eines eingefangenen Storches. Auf der Seite mit dem
kürzeren Oberarm ragt die Vorderkante des Flügels, also das Handgelenk,
deutlich sichtbar weiter nach vorn. Auf Ihrem Foto vom 26.7. und
unserem vom 9.8. (im Anhang) ist doch recht deutlich zu erkennen, dass
das linke Handgelenk höher steht als das rechte. Da der Flügel aber
nicht ganz anliegt, ist diese Beurteilung nicht ganz sicher.

Handorfer Jungstorch mit Kippflügel

(Bild: Hubert Horn)